Warum Katzen so empfindlich reagieren
Normalerweise baut die Leber Stoffe aus Pflanzenölen ab, indem sie diese an Glucuronsäure koppelt. Danach kann der Körper sie über den Urin ausscheiden. Diesen Vorgang nennt man Glukuronidierung. Bei Katzen läuft er deutlich langsamer als bei Hunden, Menschen und den meisten anderen Säugetieren. Das betrifft vor allem Phenole, die in vielen ätherischen Ölen stecken.
Die Stoffe bleiben dadurch lange im Körper und können sich anreichern. Wie stark das wirkt, hängt vom Öl und von der Menge ab. Bei Katzen kann aber schon wenig genügen. Ein Beispiel aus der Forschung: Menthol, ein Hauptbestandteil von Pfefferminzöl, ist für Katzen drei- bis viermal giftiger als für Ratten.
Hunde kommen mit ätherischen Ölen besser zurecht, völlig unempfindlich sind sie aber auch nicht. Auch Vögel und Kleintiere reagieren empfindlich auf künstliche Düfte und Öle.
Wie Katzen mit den Ölen in Kontakt kommen
- Über die Atemwege: Duftstoffe aus Diffusern, Duftlampen oder Sprays werden eingeatmet.
- Über die Haut: Öl, das aufs Fell oder auf die Haut gelangt, kann aufgenommen werden.
- Über das Maul: Beim Putzen leckt die Katze Öl vom Fell ab. Auch verschüttete Fläschchen oder Pfützen sind ein Risiko.
Ätherische Öle stecken übrigens nicht nur in Fläschchen. Du findest sie auch in Raumsprays, Duftkerzen, Wischmitteln und Reinigern, vor allem in Duftsorten wie Zitrus, Pinie oder Zimt. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe lohnt sich.
Diese Öle gelten als besonders problematisch
- Teebaumöl: Dazu gibt es einen dokumentierten Fall mit drei Angorakatzen, von denen eine starb.
- Pfefferminz- und andere Minzöle
- Zitrusöle (Zitrone, Orange, Mandarine)
- Kiefern- und Fichtennadelöl
- Thymian- und Oregano-Öl
- Rosmarin-, Salbei- und Schafgarbenöl
- Muskatnussöl
Kritisch sind vor allem Öle mit viel Cineol, Kampfer, Pinen, Limonen oder Phenolen. Ob "bio" oder "naturrein" auf der Flasche steht, ändert daran nichts, die Inhaltsstoffe sind dieselben. Und die Liste ist nicht vollständig. Viele Tierärzte raten deshalb ganz von ätherischen Ölen im Katzenhaushalt ab.
Der Diffuser: Ist Duft in der Luft harmlos?
Viele denken: "Ich trage das Öl ja nicht auf die Katze auf." So einfach ist es leider nicht.
- Aktive Diffuser (Ultraschall-Vernebler) schleudern winzige Öltröpfchen in die Luft. Die Katze atmet sie ein, außerdem können sie sich auf dem Fell absetzen. Beim Putzen leckt sie das Öl dann ab.
- Passive Diffuser (zum Beispiel Duftstäbchen) gelten als weniger kritisch. Sie können aber die Atemwege reizen, tränende Augen oder Husten auslösen, und gefährlich wird es, wenn die Katze das Gefäß umwirft und an das Öl kommt.
Ein häufiger Irrtum: Wenn die Katze im Raum bleibt, wird es ihr schon nichts ausmachen. Das lässt sich aus ihrem Verhalten aber nicht ableiten. Katzen bleiben oft einfach, wo sie sind, auch wenn ihnen etwas nicht guttut.
Es gibt auch eine andere Sichtweise
Der Aromatherapie-Experte Robert Tisserand hält es für vertretbar, kleine Mengen ätherischer Öle zu verdampfen, wenn drei Dinge stimmen: gute Belüftung, nur kurze Zeit, und die Katze kann den Raum jederzeit verlassen. Er weist außerdem darauf hin, dass die Menge, die ein Diffuser in die Luft abgibt, sehr klein ist. Tierärzte und Giftnotrufzentralen sind trotzdem deutlich vorsichtiger. Wer ganz sichergehen will, verzichtet einfach darauf.
Und die Lampe Berger?
Bei der Lampe Berger wird eine Duftflüssigkeit über einen Katalysatorstein verdampft. Das funktioniert anders als bei einem Ultraschall-Diffuser, der Öl direkt vernebelt. Die Flüssigkeit basiert auf Alkohol. Laut Hersteller sind keine klassischen Duftöle enthalten, denn reine Öle würden den Katalysatorstein verstopfen. Der Duftanteil liegt nur bei etwa 1 bis 3 Prozent und besteht aus synthetischen und natürlichen Essenzen.
Auf Nachfrage hat mir der Hersteller geschrieben, dass die Düfte für Haustiere unbedenklich sind. Das ist eine Herstellerangabe. Unabhängige Studien dazu sind mir nicht bekannt, und welche natürlichen Essenzen genau enthalten sind, steht nicht dabei. Eine kleine Restunsicherheit bleibt also.
Wenn du auf die Lampe nicht verzichten möchtest, geht es am sichersten so:
- Am besten nur die neutrale Flüssigkeit nehmen (AIR PUR Neutral).
- Die Lampe nur laufen lassen, wenn die Katze nicht im Raum ist.
- Danach gründlich lüften, bevor die Katze wieder hineindarf.
- Die Lampe kippsicher und außerhalb der Reichweite der Katze aufstellen.
Woran du eine Vergiftung erkennst
- Starkes Speicheln
- Erbrechen
- Husten, Keuchen oder Atemnot
- Zittern und schwankender Gang
- Auffällig niedrige Körpertemperatur
- Apathie und Rückzug
Manchmal sieht es aus, als wolle die Katze ein Haarbällchen hochwürgen. Sie kauert dann in dieser Haltung, ohne dass etwas kommt. Auch das kann ein Warnzeichen sein. In schweren Fällen können Krampfanfälle sowie Leber- und Nierenschäden dazukommen.
Was du im Verdachtsfall tust
- Diffuser oder Duftquelle ausschalten, die Katze an die frische Luft bringen und den Raum lüften.
- Nicht versuchen, Erbrechen auszulösen. Das Öl kann dabei in die Atemwege geraten.
- Sofort Tierarztpraxis oder Tierklinik anrufen und hinfahren. Nimm das verwendete Öl oder die Flasche mit. Dort sagt man dir auch, ob du das Fell abwaschen sollst.
Auch wenn deine Katze mit einem Öl in Kontakt war und zunächst fit wirkt, ist ein Anruf in der Praxis sinnvoll. Manche Tierärzte empfehlen in so einem Fall einen Check mit Blutbild.
So bleibt es sicher
- Ätherische Öle niemals ohne tierärztliche Rücksprache auf Haut oder Fell der Katze geben. Das gilt auch für Mittel gegen Flöhe. Für Öle als Flohmittel gibt es keine belastbare Forschung.
- Fläschchen so aufbewahren, dass die Katze sie nicht umwerfen oder ablecken kann.
- Wenn du einen Diffuser nutzt, dann nur in einem Raum, zu dem die Katze keinen Zugang hat, und danach gut lüften.
- Schau bei Raumsprays, Kerzen und Reinigern auf die Inhaltsstoffe.
- Im Zweifel lieber auf Duft verzichten.
Frische ohne Duftöl
Wenn es einfach nur frisch riechen soll, helfen oft ganz einfache Mittel:
- Regelmäßig stoßlüften, am besten mit offenen Fenstern gegenüber.
- Die Geruchsquelle beseitigen, zum Beispiel das Katzenklo häufig reinigen, statt den Geruch zu überdecken.
- Textilien wie Decken und Kissenbezüge öfter waschen.
Fazit
Ein schöner Duft ist es nicht wert, die Gesundheit der Samtpfote zu riskieren. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, lässt Duftöle im Katzenhaushalt weg. Wer nicht verzichten mag, sollte mit Bedacht vorgehen und die Katze konsequent aus dem Raum halten.
Quellen
- Tisserand Institute: Cats and Essential Oil Safety
- Netzwelt (mit Verweis auf CliniTox Universität Zürich und Merck Veterinary Manual): Aroma-Diffuser im Wohnzimmer
- Fox News (mit Verweis auf Pet Poison Helpline): Ohio veterinarian warns essential oil diffusers can be toxic for cats
- NBC Miami: Are Essential Oils Safe for Cats?
- Van Beusekom et al. 2014, Journal of Veterinary Pharmacology and Therapeutics (Glukuronidierung bei Katzen)
- Bischoff und Guale 1998, Journal of Veterinary Diagnostic Investigation (Teebaumöl-Vergiftung bei Katzen)

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